Prof. Dr. Alyssa Schneebaum hat im WS 2025/26 die Käthe-Leichter-Gastprofessur inne. Die Gastprofessur ist dem Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte zugeordnet.

Alyssa Schneebaum promovierte in Volkswirtschaftslehre (Bucknell University in Pennsylvania, USA) und erwarb zusätzlich ein Graduiertenzertifikat in Advanced Feminist Theory an der University of Massachusetts Amherst. In ihrer Forschung geht es um die Bedeutung von Geschlechterkonstruktionen für wirtschaftliche Prozesse und Resultate. Aktuell untersucht sie, wie Geschlechternormen die Entstehung wissenschaftlichen Wissens prägen – insbesondere innerhalb der Disziplin der Volkswirtschaftslehre.

Lehrveranstaltungen an der Universität Wien.

Foto © Robin Luger

Alyssa Schneebaum hielt ihre Käthe-Leichter-Vorlesung "Wissensproduktion in institutionellen und historischen Kontexten" am 22. Jänner 2026 17.00-18.30 Uhr im Neuen Institutsgebäude der Universität Wien.

 

Gender- und Wirtschaftsforscherin und Forschungsberaterin Alyssa Schneebaum präsentierte in ihrem Vortrag eine Metareflektion des Wissenschaftssystem am Beispiel der Volkswirtschaftslehre. Nach grundlegenden Einführungen in die systematische Ungleichheitsstrukturen von Wissensproduktionen, unter anderem durch frauenfeindliche Filterprozesse in der akademischen Laufbahn, veranschaulichte Schneebaum anhand von Fallstudien die systemischen Missverhältnisse in der (Re-) Produktion von akademischem Wissen. Die zentralen Fragen waren hierbei „Wer produziert Wissen?“, „Welche Fragen werden gestellt?“ und „Wie werden Fragen beantwortet?“

Zum Beispiel kann anhand der Publikationslandschaft in der Volkswirtschaftslehre eindringlich verfolgt werden, wie konzentriert Macht in dieser Disziplin verteilt ist: Nur fünf Journals gelten als tonangebend für die gesamte nordamerikanische und europäische Volkswirtschaftslehre. Diese Zeitschriften funktionieren als gatekeepers: Genderwissen spielt in diesen Veröffentlichungen jedoch  keine Rolle und bleibt deswegen – in der gesamten Disziplin – unsichtbar; mit weitreichenden Folgen.

Der Einblick, den die Käthe-Leichter-Vorlesung 2026 in Schneebaums vielfältiges Oeuvre gab, veranschaulicht, wie tradierte Machtstrukturen mit einer engen Perspektive alternative Beitragende und Beiträge strukturell aus der Wissensproduktion ausschließen und eine verzerrte Weltanschauung reproduzieren. Dennoch zeigt sich Alyssa Schneebaum kämpferisch optimistisch, dass die verkrusteten Strukturen aufgebrochen werden können und ein kleines bisschen auch schon wurden.

Robin Luger & Kristin Aubel